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Was ich immer gefragt werde: Ich bin zwar weiß, aber kein Albino, und auch kein Husky, sondern ein reinrassiger Weißer Schweizer Schäferhund. Genau genommen heißt die Rasse in feinem Französisch Berger Blanc Suisse. Deshalb habe ich auch ganz dunkle Augen und eine schwarze Nase. Wen das interessiert: Meine Nase ist auch nicht rosa-schwarz fleckig, sondern rein schwarz, ebenso wie die Lippen.

Ich habe genau das Sollmaß (Schulterhöhe 66 cm), Idealgewicht und keine Krankheiten.
Besonders wichtig scheint zu sein, denn danach fragen alle Züchter als erstes, dass ich keine kaputten Gelenke habe: In meiner Ahnentafel wurde in der HD-Beurteilung offiziell bestätigt, dass ich "H-frei A1" bin - was offenbar ganz toll ist.

Ich habe zwar schon acht gesunde Welpen gezeugt, bin aber nicht als Zuchtrüde eingetragen. Zur "Zuchttauglichkeitsprüfung" gehört nämlich nicht nur die furchtbare Röntgenprozedur, um die HD-Freiheit bestätigt zu bekommen (was ich zum Glück hinter mir habe), sondern auch noch das Schaulaufen auf einer Hundeausstellung. Und darauf ist mein seltsames Herrchen gar nicht scharf.

Schon seit Jahren "arbeite" ich gelegentlich im Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in der Abteilung für vergleichende und Entwicklungspsychologie. Das Hundestudien-Team dort macht dann diverse Varianten von Hütchenspielen mit mir und filmt, ob und wie ich mich dabei austricksen lasse oder die versteckten Leckerlis finde. Im Laufe der Zeit habe ich mir damit schon etliche tolle Massivgummibälle (die schwimmen nämlich und sind trotzdem unkaputtbar) verdient.

Ich lebe im Wesentlichen im Haus, darf auch fast überall im Haus herumlaufen, muss mich deswegen aber auch sauber halten. Darum kümmere ich mich täglich selbst - ich pflege und lecke mich wie eine Katze (gegen die ich übrigens nichts habe, sofern sie nicht in unseren Garten kommen).

Bei Bedarf und mindestens vier Mal pro Jahr werde ich beim Hundefrisör gewaschen, frisiert und geföhnt. Dogs an der Kö heißt der Laden, die sind echt nett, muss man zugeben, aber ich mag die Waschprozedur trotzdem nicht (weiß eigentlich nicht, warum nicht). Denn wasserscheu bin ich absolut nicht - ich schwimme weit und schnell. Früher ging ich viel im Cospudener See schwimmen. Aber danach ist mein Fell trotz Trockenrubbeln und Föhnen lange feucht, und davon krieg ich echt schlimmes Hautjucken. Der Tierarzt meint, die viele Schwimmerei soll ich bleiben lassen.

Mein Lieblingsspiel ist "Ball suchen/holen" - das kann ich endlos lange machen, und ich finde den Ball immer, obwohl ich das weniger über die Augen mache als über die Nase (denn Farbensehen ist ja nicht die starke Seite von unsereins, und roter Ball im grünen Gras ist für mich ziemlich unsichtbar.

Als ich noch jung und dumm war, war für mich Stöckchen holen und herumtragen das Größte. So ein Stöckchen kann gerne drei Meter lang und armdick sein - je größer, desto besser. Weshalb die tierlieben Freunde meines Herrchens mir viel Gelegenheit gegeben haben, Stöckchen herumzutragen. Weil da aber immer Sandkörnchen dranhängen, hat das meine Zähne binnen zwei Jahren drastisch abgeschliffen. Ich selber seh das ja nicht, aber Herrchen meint, das sei schlimm.

Inzwischen bin ich alt und weise. Früher war ich ein unendliches Energiebündel, und es war fast unmöglich, mich müde zu machen. Dazu musste man schon mit dem Fahrrad fahren - erst nach etwa 5 km Galopp mit etwa 40 km/h ging ich dann in Trab über. Heute geh ich lieber altherrenmäßig im Schritttempo. Zumal ich vor ein paar Jahren eine lebensbedrohliche Magendrehung hatte und gerade noch rechtzeitig operiert wurde. Man hat mir dringend geraten, die Herumtoberei bleiben zu lassen.

Was ich nicht mag, im Gegensatz zum Herrchen, ist Autofahren: Schon bei der ersten Fahrt als winziger Welpe vom Erzgebirge nach Leipzig wurde mir speiübel. Auf dem weichen Rücksitz einer Limousine ist es eine Frage von wenigen Kilometern, bis ich kotzen muss. Ist mir natürlich peinlich, deshalb versuche ich immer, das in eine unauffällige Ritze zu machen, keinesfalls auf meine Hundedecke, auf der will ich schließlich sauber liegen können. Ich mach das am Rand der Decke, zwischen Ledersitz, Teppichbelag und Wurzelholz. Aber Herrchen würdigt das nicht so wie ich erwarte.

Seit ein paar Jahren hat meine Familie endlich wie alle Welt auch ein vernünftiges Auto mit Heckklappe, dort habe ich festen Boden unter den Füßen, das ist erträglich, und das halte ich meist ein paar hundert Kilometer aus.

Grundsätzlich will ich aber immer und überall dabei sein, notfalls nehme ich da auch Autofahrten in Kauf. Wenn meine Familie per Flugzeug unterwegs ist, mache ich Ferien auf dem Land, in einer Pension in Kleinkorbetha, dort ist es super.